Kicken für den großen Traum – die Old Mutual Football Academy

- Foto: Ulrich Doering
Der Traum vom Fußballprofi wird auch und gerade in einem Land wie Südafrika geträumt, wo sich für die armen Bevölkerungsschichten oft kaum Zukunftsperspektiven bieten. Die Old Mutual Football Academy in Kapstadt versucht, talentierten jungen Kickern optimale Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Fanguide-wm2010.de stattete der Fußballschule am Kap einen Besuch ab.
In Pinelands ist es nachmittags immer etwas windiger als in den benachbarten Stadtteilen, doch das bedeutet optimales Fußballwetter für das Training an der Old Mutual Football Academy (www.papadi.co.za/om.cfm). Die Fußballschule liegt unweit vom Tafelberg in Kapstadt gleich neben der Hauptverwaltung von Old Mutual, einem alt eingesessenen Versicherungsunternehmen. Der Konzern ist eine bekannte Größe, was die Förderung des Sports in Südafrika angeht. Bis 2002 engagierte man sich allerdings ausschließlich in der Leichtathletik und als Sponsor von großen internationalen Sportveranstaltungen. Fußball stand nicht auf dem Programm. Dann jedoch regte ein Manager aus der Marketingabteilung die Gründung einer Fußballakademie an. Die Akademie wurde 2002 mit dem Ziel eingerichtet, die renommierteste Fußballschule Südafrikas zu werden und talentierten (männlichen) Jugendlichen optimale Trainings- und Entwicklungsbedingungen zu bieten, um ihnen den Weg in den professionellen Fußball zu eröffnen.

- Foto: Ulrich Doering
Fußball als Weg aus der Armut
In den Vororten und kleineren Städten herrscht häufig Ebbe in den Kassen der Clubs und der schlechte Zustand der Spielplätze ist ein Barometer für die Lage des Fußballs im Land. Der Sport wird in der Mehrheit von der farbigen und schwarzen Bevölkerung gespielt, von der ein großer Anteil unter Arbeitslosigkeit und mangelnden Perspektiven leidet. Fährt man in Kapstadt die N2-Autobahn vom Flughafen in die Stadt, fallen die wie Schwalbennester aneinander klebenden Wellblechhütten der Siedlungen („Settlements“) auf. In diesem Gedränge ist kaum Platz für einen Gemüsegarten, geschweige denn für einen Bolzplatz. Gekickt wird entlang der Autobahn, bei deren Überquerung der ein oder andere Jugendliche auf dem Weg zum Spiel sogar schon sein Leben verloren hat. Mit Beginn der Saison tauchen wie aus dem Nichts kleine, etwas scheu wirkende Gruppen Jugendlicher auf den Trainingsplätzen der etablierten Clubs auf. Es sind junge Spieler aus den Settlements, die darauf hoffen, in einem Verein aufgenommen zu werden, der ihnen ein koordiniertes Training ermöglicht. Sie haben sich irgendwie bis zum Klubhaus der Old Mutual Academy durchgeschlagen, Geld für die Heimfahrt haben sie nicht in der Tasche.

- Foto: Ulrich Doering
Zweimal im Jahr machen sich bis zu 500 bis 800 Spieler jeder Altersgruppe von U13 bis U 19 auf den Weg zum Klubhaus von Old Mutual, um an dem Auswahltraining der Akademie teilzunehmen. Einige Spieler wurden von Scouts des Clubs eingeladen, die Bolzplätze und Ligaspiele besuchen und talentierte Spieler ansprechen. Andere Spieler kommen auf Empfehlung ihres Clubs oder sie melden sich von selbst. Am Ende der Sichtung dürfen sich knapp 20 Jugendliche darüber freuen, für mindestens zwei Jahre in die Akademie aufgenommen zu werden. Danach entscheidet sich, ob ein Spieler sich weiterentwickelt hat und den Anforderungen genügt. Während dieser Zeit erhält der Spieler freien Zugang zu allen technischen und medizinischen Leistungen der Fußballschule. Gebühren werden nicht erhoben. In den ersten beiden Jahren wird mehr Wert auf die persönliche Entwicklung der Jugendlichen und ihrer Einstellung zum Sport gelegt als auf die Entwicklung der Fußballkünste.

- Foto: Ulrich Doering
Zum Probetraining nach Deutschland
Aber der Traum, durch die Akademie Profi zu werden, geht nicht für alle in Erfüllung. Spieler, die die Ansprüche nicht erfüllen können, müssen die Fußballschule wieder verlassen. Sie werden aber nicht schlicht vor die Tür gesetzt, sondern Old Mutual hilft ihnen bei der Suche nach einem neuen Club. Nach zwei Jahren kann sich der Spieler wieder vorstellen und an dem Auswahlverfahren teilnehmen. Barry Busch, der Direktor, weist auf die Gefahren hin, in jungen Spielern zu früh zu große Erwartungen zu wecken. Deshalb steht er dem Wechsel junger Spieler von Old Mutual in das Fußballinternat von Supersport United, dem amtierenden Meister aus Pretoria, kritisch entgegen. Er macht sich für ein Mindestalter von 16 Jahren stark, das sich mit den rein kommerziellen Interessen des Profifußballs nicht deckt. Aber die Aussicht, so früh wie möglich zu Supersport zu wechseln, ist verlockend, weil der Club Verbindungen zum englischen Verein Tottenham Hotspur hat. Irgendwann in der englischen Premier League zu spielen, das ist ein Traum, den das Fernsehen und seine Supersportkanäle in jedem südafrikanischem Nachwuchskicker wecken.

- Rechts mit Ball, Nico Wohlfahrt. Foto: Ulrich Doering
Auch Nico Wohlfahrt trainiert hart, dreimal die Woche auf dem Platz und an den „freien Tagen“ täglich zwei Stunden zu Hause. Kopfballstärke und schießen mit links will er verbessern. Im vergangenen Sommer hat er ein Probetraining bei zwei Bundesligavereinen absolviert. Diesen Sommer geht es wieder nach Deutschland, er will den Sprung ins Profilager schaffen. Nico wurde 1994 in Johannesburg geboren. Er erinnert sich noch recht genau an das Lampenfieber, einer von 500 jungen Spielern gewesen zu sein, die 2005 den Sprung in die Akademie schaffen wollten. Denn für viele ist es vielleicht die einzige Chance, um später als Profi ein gutes Auskommen zu haben. In Deutschland wurde Nico klar, dass der Konkurrenzkampf in den Bundesligavereinen noch deutlich stärker ist als bei Old Mutual. In Kapstadt scheint die Mehrheit seiner Klubkameraden die Einstellung zu haben, es schon „geschafft” zu haben, was bei den Erfolgen von Old Mutual nicht verwunderlich ist. Sie gehören zur Kickerelite am Kap, wenn nicht sogar in Südafrika. Das jedoch noch einige Gänge zugelegt werden müssen, um international zu bestehen, scheint noch nicht allen richtig klar zu sein. Nicht verwunderlich, schließlich ist der Weg von einem staubigen Bolzplatz auf den gepflegten Rasen der Akademie schon ein großer Erfolg, ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.

- Im Hintergrund, Buzzi. Foto: Ulrich Doering
Auf ihrem Weg werden die jungen Spieler unter anderem von Bazeo „Buzzi“ Jansn begleitet. Zweimal pro Woche leitet er zusammen mit seinen Co-Trainern das Training der U11 und U13. Mit 62 Jahren ist er nicht mehr der jüngste unter den Trainern von Old Mutual, aber der Ex-Profi versprüht eine Energie, die Naeem, den zweiten Torwart der U11 ins Schwitzen bringt. Buzzi platziert die Bälle so gekonnt in die Torwinkel, dass sich Naeem mächtig strecken muss, um zu zeigen, dass er irgendwann vielleicht die Nummer eins im Tor der U11 werden kann. Mit vier Jahren entdeckte Naeem seine Begeisterung für den Fußball. Mit 10 Jahren spielte er für einen Verein in Bonteheuwel auf den Cape Flats östlich von Kapstadt. Sein Cousin, der bei Old Mutual trainiert, ermutigte ihn, an dem Auswahltraining teilzunehmen. Auf die Frage, was ihm hier besonders gefällt, erklärt Naeem, dass die Trainer ihm genau erklären, wie er sich verbessern kann „They make me a better player“, sagt er stolz und grinst dabei über das ganze Gesicht.











